Die Geschichte des Bosals führt um die halbe Welt. Diese gebisslose Zäumung, die inklusive Kern komplett aus Rohhaut besteht, hat ihren Ursprung vermutlich im arabischen Raum und erreichte über Spanien Nordamerika, wo es unter dem Namen „Jaquima“ (auf deutsch: Halfter) von den indigenen Vaqueros und schließlich auch von den Cowboys genutzt wurde.
Das Bosal wird als Nasenteil der Zäumung dem jeweiligen Pferd angepasst und mit dem sogenannten Hanger (einem Lederriemen) verbunden. In der altkalifornischen Reitschule dient es als Bestandteil der Hackamore – neben der Mecate, dem aus Schweif- oder Mähnenhaar geflochtenen Zügel, und eben dem Hanger. Übrigens wird die Mecate heute auch aus anderen Materialien gefertigt, zum Beispiel Baumwolle, Nylon oder Alpakahaar. Das macht sie weicher, geschmeidiger und viel weniger kratzig als das Original aus Mähne oder Schweif.
Die Mecate ist ein entscheidendes Element für die Kommunikation mit dem Pferd, denn es wird ausweichen, sobald es die Härchen am eigenen Hals spürt. Verfügt es über eine feine Reaktion, genügt sogar schon das Kitzeln der Härchen, sodass die Mecate den Hals gar nicht mehr direkt berühren muss.
Eine solche Form der Steuerung kennen wir auch in beim Westernreiten, und zwar unter dem Begriff „Neckreining“. Das Prinzip beruht darauf, das Pferd nicht über den Zug am Maul zu kommandieren, sondern über das Anlegen des Zügels, dessen Druck es spürt und ihm weicht. Legen wir also die Mecate rechts am Hals an, wird sich das Pferd nach links bewegen.
Das Bosal gibt dem Pferd in diesem System ein zweites Signal, indem es über die Nase einwirkt. Ein Pferd lässt sich durch die Rotation am Bosal zum Beispiel nach rechts biegen, wenn wir den rechten Zügel annehmen und mit dem rechten kleinen Finger anziehen und zupfen. Wir bewirken dadaurch, dass sich, dass sich die linke Seite Seite des Bosals auf die Pferdenase legt, wodurch es den Kopf nach rechts wendet.
Auch beim Bosal gilt die Regel, die in der Kommunikation mit dem Pferd immer ganz oben steht: Weniger ist mehr! Das kann man auch selbst ganz einfach mal ausprobieren: Einfach ein Bosal um die Handgelenke legen und eine andere Person bitten, an den Zügeln zu ziehen – und schon lässt sich spüren, wie klar das Signal auch ohne großen Aufwand ankommt!